Donnerstag, 14. Mai 2015

Kanakenblues von David Gray


Kanakenblues oder: Wieviel Unrecht darf ein Polizist?

 
  
Titel: Kanakenblues
Autor: David Gray
Taschenbuch: 376 Seiten (12,99€)
Kindle-Edition: 896 kB (10,99€)
Verlag: Pendragon; Auflage: 1 (16. Februar 2015) 
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3865324541 
ISBN-13: 978-3865324542

 Boyle ist ein aufstrebender Polizist in Hamburg. Er möchte etwas erreichen im Leben und schreckt dabei auch nicht davor zurück, Kontakte in die Hamburger Unterwelt zu nutzen, um ungeliebte Kollegen aus dem Weg zu schaffen.
Als nun der Sohn des Polizeipräsidenten tot aufgefunden wird, sieht Boyle seine Chance, voran zu kommen. Zumal der Polizeipräsident selbst Boyle einen Auftrag bezüglich der Aufklärung erteilt. Doch schon bald wird ein zweiter Junge tot aufgefunden und Boyle glaubt einfach nicht an Zufälle.
Eine rasante Nacht in Hamburg beginnt, denn es scheint jemand auf Mordtour zu sein.

David Gray hat hier einen Krimi vorgelegt, der eigentlich eine perfekte Vorlage für eine Verfilmung im Tatort ist. In absoluter Eigenbrötler-Manier macht sich Boyle an die Lösung des Falles und schreckt dabei vor nichts und niemandem zurück.
Schnörkellos und absolut geradlinig beschreibt David Gray die Odysee Boyles in der Hamburger Nacht, Nebenschauplätze bleiben weitestgehend unberücksichtigt und auch der Schreibstil ist klar. Keine langen Schachtelsätze, bei denen man mehrmals nach dem Sinn suchen muss. Einfach die schöne gewohnt angenehme Schreibweise Grays.

Der Titel des Buches vermag einiges an Aufsehen erregen, vielen gefällt er schlichtweg nicht. Ich finde ihn hingegen absolut passend. Mit nur einem Wort beginnt Gray schon beim Titel zu provozieren und hart an die Grenze des Anständigen zu gehen. Heutzutage ist jeder so sehr darauf bedacht, immer politisch korrekt zu sein, dass so eine Gratwanderung auch sehr erfrischend sein kann. Kanakenblues regt dazu an, einmal tiefer über den Sinn eines Buchtitels nachzudenken und vielleicht auch mal die Unsinnigkeit einiger Diskussionsthemen in Frage zu stellen.

Im Buch selbst schafft Gray es, den Leser mitzunehmen. Man weiß, wer der Täter ist und lernt ihn auch über das ganze Buch hinweg mehr kennen und auch seine Beweggründe werden dargelegt. Da ist für mich aber auch das klitzekleine Problem, dass ich mit dem Buch habe. Ich verstehe zwar, dass der Täter das tut, was er denkt, tun zu müssen, aber seine Beweggründe um das große Warum in meinem Kopf verschwinden zu lassen, werden nicht so klar ausgearbeitet. Da hätte ich mir etwas mehr Tiefgang und Information gewünscht. Einige Dinge sind auch etwas unschlüssig. Zum Beispiel lebte der Täter in einem Gefängnis EIN Jahr mit einem Häftling zusammen, der nur Französisch sprach. Also lernte unser Täter diese Sprache. Aber nach VIELEN Jahren in Deutschland, wo seine Tochter zur Schule geht und er auch arbeitet in einem deutschen Betrieb, kann er immer noch wesentlich besser Französisch als Deutsch? Das ist mir ehrlich gesagt ein wenig zu unrealistisch.

Nichtsdestotrotz hat Kanakenblues mich fantastisch unterhalten, Boyle ist ein Typ Mensch, wo ich mich nicht so einfach entscheiden kann, ob ich ihn mag oder nicht. Deshalb würde ich mich sehr über weitere Geschichten mit ihm freuen, um ihn noch besser kennenlernen zu können. Denn solch eine Gratwanderung am Rande des Gesetzes in der Position eines Polizisten finde ich äußerst interessant und macht einfach Lust auf mehr.

 
  ❤❤❤❤ von mir!


Vielen Dank an David Gray für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!

Liebste Grüße, Wolfhound

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