Mittwoch, 4. März 2015

Was fehlt, wenn ICH verschwunden bin von Lilly Lindner



 

400 Seiten
Erschienen: 19.02.2015
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch

April ist krank. Sie hat Magersucht. Eigentlich möchte April auch wieder gesund werden, aber sie schafft es nicht. Ana hat schon zu viel von ihr vereinnahmt und lässt sie aus ihren Klauen nicht mehr los. Phoebe ist Aprils kleine Schwester und beide lieben sich über alles. Auch wenn April nicht mehr mit ihren Eltern redet, weil diese sie nicht verstehen oder verstehen wollen, so ist immer Phoebe da, die April auch wortlos versteht. Doch leider reicht das nicht.
April kommt in eine Klinik und wird von ihrer Mutter ausdrücklich und nachdrücklich aufgefordert, nicht auf Phoebes Briefe zu antworten, denn Phoebe ist mit ihren neun Jahren noch zu klein, um Aprils Krankheit zu verstehen und damit belastet zu werden. Denkt die Mutter. Dass für Phoebe so noch viel mehr Fragen unbeantwortet bleiben und die Zeit für sie so nur noch schwerer ist, das begreifen die Eltern nicht. Und so beginnt Phoebe an ihre Schwester April Briefe zu schreiben, auch wenn es ihr schwer fällt, sich damit abzufinden, dass sie keine Antwort bekommt.
Dass April ihrerseits Briefe an Phoebe schreibt, diese aber nie abschickt, davon weiß die kleine Phoebe nichts.

Lilly Linder schreibt gefühlvoll und ergreifend über ein sehr schwieriges Thema. Sie klärt hier nicht über das Krankheitsbild der Magersucht auf, sondern zeigt auf phantastische Weise, was die Krankheit mit den Gefühlen und Beziehungen der Betroffenen und ihren Familien zueinander macht. Sie zeigt die Veränderung, der schleichende Prozess des nicht verstanden Werdens und des ausgegrenzt seins und die Flucht in eine andere Welt. Der Auslöser für die drastische Veränderung in Aprils Leben wird nur einmal angedeutet, man kann sich aber denken, was geschehen ist und danach ist April nur noch gefallen.
Aufgrund des Verhaltens der Eltern nach Phoebes Geburt hätte man denken können, dass April ihre kleine Schwester doch eher hassen als so sehr lieben müsste, aber April hat sich für das stärkste Gefühl der Welt entschieden, die Liebe.
Die kleine, neunjährige Phoebe schreibt in einem Brief an April: "Die Liebe ist vergänglich - und wenn man will, dass sie bleibt, dann muss man auf sie zugehen und sie an einen schönen Ort bringen, an dem sie bleiben möchte." Ich finde, das sollten sich sehr viele Menschen mal durch den Kopf gehen lassen und sich zu Herzen nehmen. Dann gäbe es bestimmt viel weniger Leid und mehr Liebe auf unserer Erde.

Phoebe und April versuchen sich gegenseitig zu retten, sich Halt zu geben und wieder ins Leben zurück zu finden.

Ich habe dieses Buch verschlungen, in einem Tag war ich durch, wobei ich zum Ende hin nach jedem Brief von April eine Pause machen musste. Es war sehr ergreifend zu lesen, wie verloren sich ein einzelner Mensch fühlen kann, der einfach nur etwas Nähe und Liebe von seinen Eltern erhaschen wollte. Mehrmals sind mir die Tränen gekommen und auch jetzt beim Schreiben dieser Rezension könnte ich schon wieder losweinen.
Ich habe mir gerade geschworen, dass ich meiner Tochter immer zuhören werde, auch im größten Stress, im ungünstigsten Zeitpunkt sie nicht wegschicken werde, wenn sie eine Frage oder Sorgen hat. Ich werde immer für sie da sein. Damit sie nicht fällt. Damit sie nicht verschwindet.

❤❤❤❤❤ von mir

Vielen dank an vorablesen.de für das Rezensionsexempar.

Liebste Grüße, Wolfhound

1 Kommentar:

  1. Hi Wolfhound

    Ich habe dieses Buch auch schon gelesen und rezensiert und kann dir eigentlich nur zustimmen. Nur beim lesen selber ist es mir anders ergangen, denn ich konnte nie wirklich viel auf einmal lesen. Immer nach einem Abschnitt musste ich wieder Pause machen, so erschütternd und traurig fand ich die Geschichte.

    lg Favola

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